Schnittstellenplanung bei Heizung, Elektro und Sanitär im Bestand: So vermeiden Sie teure Baufehler

Schnittstellenplanung bei Heizung, Elektro und Sanitär im Bestand: So vermeiden Sie teure Baufehler
Thomas Hofstätter 14 Feb 2026 0 Kommentare Bauen und Renovieren

Wenn Sie ein altes Haus sanieren, ist es kein Geheimnis, dass die größten Probleme nicht mit den Wänden oder dem Dach entstehen, sondern mit den Leitungen, Kabeln und Rohren, die schon da sind. Sie sehen sie nicht, sie sind in den Boden, in die Decke, hinter den Fliesen. Und wenn Heizung, Elektro und Sanitär nicht richtig abgestimmt werden, wird es teuer. Sehr teuer. In 70 Prozent aller Sanierungsprojekte mit Flächenheizungen in Bestandsgebäuden sind fehlende Koordination und schlechte Schnittstellenplanung die Hauptursache für Verzögerungen und Nachbesserungen. Das sagt nicht irgendein Handwerker, sondern der Bundesverband Flächenheizungen und Flächenkühlungen selbst.

Was ist Schnittstellenplanung eigentlich?

Schnittstellenplanung ist nichts anderes als die Vorab-Abstimmung aller Gewerke, bevor der erste Bohrer angesetzt wird. Es geht darum, dass der Heizungsinstallateur, der Elektriker, der Estrichleger und der Sanitärtechniker vorher wissen: Wo genau liegt welches Rohr, welches Kabel, welcher Estrich? Und wie viel Platz bleibt für den Bodenbelag? In einem Neubau ist das einfach: Alles ist neu, alle Pläne sind da. Im Bestand? Da ist die Wand oft aus Ziegel, der Boden aus Holzbalken, und die Elektroleitungen stammen aus den 80ern. Keine Ahnung, wo sie genau verlaufen. Und genau hier beginnt das Problem.

Warum ist das im Bestand so viel schwieriger?

Stellen Sie sich vor, Sie wollen eine Fußbodenheizung in einem Haus aus den 1950ern einbauen. Der Boden besteht aus Holzbalken, darunter liegt eine alte Ziegeldecke. Der Elektriker hat schon vor Jahren Kabelkanäle in den Estrich verlegt - ohne dass jemand die Lage aufgezeichnet hat. Jetzt kommt der Heizungsbauer und will Rohre in 6 cm Estrich verlegen. Aber die Kabel liegen genau dort, wo die Heizrohre hinmüssen. Was passiert? Entweder wird der Estrich tiefer gemacht - dann passt der Bodenbelag nicht mehr. Oder die Rohre werden höher gelegt - dann wird die Heizung ineffizient, weil die Wärme nicht mehr richtig in den Raum kommt. Und die Wärmepumpe, die Sie neu einbauen wollen, läuft dann ständig auf Vollast, weil die Vorlauftemperatur zu hoch sein muss. Das kostet nicht nur mehr Strom, es kostet auch mehr Zeit, mehr Geld und mehr Nerven.

Die Lösung? Frühzeitig alle Gewerke an einen Tisch bringen. Nicht erst, wenn der Estrich schon verlegt ist. Sondern schon, bevor der erste Bohrer angesetzt wird. Die ZVSHK (Zentralverband Sanitär Heizung Klima) fordert genau das: Ein Koordinationsgespräch mit Architekt, Elektroplaner, Heizungsbauer, Estrichleger, Bodenleger und dem Bauherrn. Und das muss schriftlich festgehalten werden. Kein Mündliches, kein „Ich hab’s ihm gesagt“. Sondern eine klare, unterschriebene Vereinbarung mit allen Abmessungen, Positionen und Verantwortlichkeiten.

Was muss genau abgestimmt werden?

Es gibt drei Hauptpunkte, die in jedem Sanierungsprojekt geklärt werden müssen - und zwar vor der Bauphase:

  1. Deckenaufbau und Dicken: Wie dick ist der Estrich? Wie dick ist der Bodenbelag? Wo liegen die Kabelkanäle? Die Kombination aus Heizrohren, Ausgleichsschichten und Bodenbelag kann leicht 12 cm oder mehr ausmachen. Wenn die Decke nur 2,40 Meter hoch ist, und Sie 15 cm mehr aufbringen, dann haben Sie eine niedrige Decke - und das ist nicht nur unpraktisch, das ist auch teuer, weil Sie dann die Türhöhen anpassen müssen.
  2. Hydraulik und Temperatur: Die Vorlauftemperatur ist das Herzstück der Flächenheizung. Bei einer Wärmepumpe darf sie nicht über 35 Grad Celsius liegen, sonst verliert die Pumpe ihre Effizienz. Aber wenn die Rohre zu weit auseinander liegen oder der Estrich zu dick ist, wird die Wärme nicht gut abgegeben. Dann muss die Pumpe höher laufen - und Sie zahlen mehr Strom. Die DIN 18560-2 schreibt vor: Ein Fugenplan muss erstellt werden, der zeigt, wo die Rohre verlegt werden, wie sie mit den Dehnungsfugen des Estrichs zusammenpassen, und wie die Heizkreise verteilt sind.
  3. Integration von Elektro und Sanitär: Wo verlaufen die Kabel für die Fußbodenheizung? Wo liegen die Leitungen für die Warmwasserzirkulation? Wo sind die Abwasserrohre? Wenn die Elektro-Kabel direkt über den Heizrohren liegen, entsteht eine Wärmequelle, die die Kabel beschädigen kann. Und wenn das Sanitärrohr genau dort verläuft, wo das Heizrohr verlegt werden soll, muss entweder das Rohr verlegt werden - oder die Heizung umgeplant. Beides kostet Zeit und Geld.

Ein konkretes Beispiel aus der Praxis: Ein Haus in Klagenfurt wurde 2024 saniert. Der Heizungsbauer wollte die Rohre in 8 cm Estrich verlegen. Der Elektriker hatte bereits Kabelkanäle in 6 cm Estrich verlegt - ohne zu wissen, dass die Heizung kommen würde. Beide waren sich einig, dass „es doch passt“. Der Bodenleger legte den Bodenbelag auf - und dann stellte sich heraus: Die Heizrohre lagen genau in den Kabelkanälen. Der Estrich musste abgebrochen, die Kabel neu verlegt, die Heizung umgeplant. Die Kosten: 14.000 Euro mehr als geplant. Und zwei Wochen Verzögerung.

Querschnitt eines Bodenaufbaus mit kollidierenden Heizrohren und Elektrokanälen in historischer Bausubstanz.

Wie funktioniert eine gute Schnittstellenplanung?

Es gibt nur eine Methode, die wirklich funktioniert: BIM-Planung. Das steht für Building Information Modeling. Statt auf 2D-Plänen zu arbeiten, erstellen alle Gewerke ein 3D-Modell des Gebäudes. In diesem Modell sehen Sie genau, wo jedes Rohr, jedes Kabel, jede Dämmung liegt. Und Sie sehen, ob sich etwas kreuzt. Die Software sagt Ihnen: „Achtung! Heizrohr kollidiert mit Elektrokanal in Raum 204.“

Das ist kein Science-Fiction. Es ist heute Realität. Laut einer Studie des ift Instituts (März 2024) nutzen 42 Prozent aller Planungsbüros in Deutschland BIM bei Bestandsanierungen - und das ist ein Anstieg von 28 Prozent innerhalb eines Jahres. Die Vorteile sind klar: 23 Prozent weniger Bauzeit, 18.500 Euro geringere Kosten im Durchschnitt - und fast keine Nacharbeiten mehr. Ein Heizungsbauer aus Wien dokumentierte 2024 einen Fall, bei dem durch BIM drei potenzielle Kollisionen identifiziert wurden, die sonst erst nach dem Estrich aufgetreten wären. Die Nacharbeiten wurden vermieden. Die Kunden waren zufrieden. Die Rechnung war korrekt.

Wenn Sie kein BIM haben - dann zumindest eine detaillierte, handgezeichnete Planung mit allen Maßen. Zeichnen Sie auf, wo die Wände sind, wo die Decken, wo die Rohre, wo die Kabel. Nehmen Sie ein Maßband. Machen Sie Fotos. Und lassen Sie jeden Gewerkeleiter mitzeichnen: „Ja, hier ist mein Rohr.“ „Ja, hier verläuft mein Kabel.“

Was passiert, wenn Sie es nicht tun?

Wenn Sie keine Schnittstellenplanung durchführen, passiert Folgendes:

  • Die Heizung läuft ineffizient - die Wärmepumpe arbeitet zu hart, die Stromrechnung steigt.
  • Der Estrich reißt, weil die Heizrohre nicht mit den Dehnungsfugen abgestimmt sind.
  • Das Bodenbelag verzieht sich, weil die Dicke nicht passt.
  • Die Elektro-Kabel überhitzen, weil sie zu nah an den Heizrohren liegen.
  • Die Sanitärrohre müssen verlegt werden - und das kostet mehr als die gesamte Heizung.

Und am Ende? Sie haben nicht nur ein teures Problem, sondern auch eine Baustelle, die monatelang steht, weil keiner weiß, wer was falsch gemacht hat. Die Schuld liegt dann bei jedem - und bei niemandem. Und das ist der schlimmste Fall.

Welche Regeln gelten heute?

Die neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt strenge Anforderungen an die energetische Qualität von Sanierungen vor. Das bedeutet: Wenn Sie eine Flächenheizung einbauen, muss sie effizient sein. Und das geht nur mit einer sauberen Schnittstellenplanung. Die Merkblätter FBH-M1 und FBH-M2 des Bundesverbandes Flächenheizungen sind die aktuellsten Leitfäden. Sie beschreiben genau, wie man die Rohre verlegt, wie man die Vorlauftemperatur berechnet, wie man die Dehnungsfugen setzt.

Aber hier ist der Haken: Die meisten dieser Richtlinien wurden für Neubauten entwickelt. Der Bestand ist anders. Deshalb hat der ZVSHK 2024 eine spezielle Arbeitshilfe veröffentlicht: „Schnittstellenkoordination bei Flächenheizungs- und Flächenkühlungssystemen in bestehenden Gebäuden“. Das ist der neue Standard. Und er sagt klar: Ohne Koordination ist die Sanierung nicht professionell.

Ein Heizungsrohr, ein Kabel und ein Estrich schweben kollidierend über einem zerbrochenen Fliesenboden.

Was können Sie tun?

Wenn Sie ein Bestandsgebäude sanieren, machen Sie das:

  1. Verlangen Sie von Ihrem Planer eine Schnittstellenplanung - nicht als Extra, sondern als Pflichtteil.
  2. Fordern Sie ein Koordinationsgespräch mit allen Gewerken vor Baubeginn - schriftlich dokumentiert.
  3. Verwenden Sie 3D-Scans, wenn die Bestandsunterlagen unklar sind. Ein Laser-Scan kostet 500-1.000 Euro - aber er spart 10.000 Euro Nacharbeiten.
  4. Verwenden Sie BIM, wenn möglich. Es ist nicht mehr teuer, es ist standard.
  5. Prüfen Sie die Dicken: Heizung + Estrich + Dämmung + Bodenbelag = Gesamthöhe. Vergleichen Sie mit der Deckenhöhe. Wenn es zu wenig Spielraum gibt, müssen Sie das System anpassen.
  6. Stellen Sie sicher, dass die Vorlauftemperatur für Ihre Wärmepumpe passt. Maximal 35 Grad - sonst ist die Effizienz dahin.

Was sagt die Praxis?

Ein Heizungsbauer aus Salzburg sagte 2024: „Wir haben in den letzten zwei Jahren 18 Sanierungen gemacht. 14 davon mit Schnittstellenplanung. 13 davon ohne Nacharbeiten. Die 4 ohne Planung? Alle hatten Probleme. Eines musste sogar komplett neu gemacht werden.“

Ein Bauträger aus München: „Wir haben den Auftrag nur bekommen, weil wir BIM nutzten. Die Kunden wollten wissen, wo die Rohre liegen. Wir konnten es ihnen zeigen. Das war der entscheidende Unterschied.“

Und ein Architekt aus Berlin: „Wir haben früher gesagt: ‚Das machen wir schon.‘ Heute sagen wir: ‚Wir planen die Schnittstellen.‘ Das ist der Unterschied zwischen gut und professionell.“

Fazit: Planen Sie - oder zahlen Sie

Die Schnittstellenplanung ist kein Luxus. Sie ist die Grundlage für jede erfolgreiche Sanierung im Bestand. Sie verhindert teure Fehler, sie spart Zeit, sie schützt Ihre Investition. Und sie macht Ihr Haus nicht nur moderner - sie macht es auch sicherer, effizienter und wertvoller.

Wenn Sie heute ein altes Haus sanieren, und Sie nicht die Schnittstellen abstimmen, dann zahlen Sie nicht für die Heizung. Sie zahlen für die Unwissenheit. Und das ist der teuerste Fehler, den Sie machen können.

Was passiert, wenn Heizung und Elektro nicht koordiniert werden?

Wenn Heizung und Elektro nicht koordiniert werden, können Heizrohre und Elektrokabel kollidieren. Das führt dazu, dass entweder die Rohre nicht richtig verlegt werden können - oder die Kabel beschädigt werden. In beiden Fällen muss der Estrich abgebrochen werden, was zu hohen Nacharbeitskosten und Verzögerungen führt. Zudem kann es zu Überhitzung der Kabel kommen, was ein Brandrisiko darstellt.

Warum ist die Vorlauftemperatur so wichtig bei Flächenheizungen?

Die Vorlauftemperatur bestimmt, wie heiß das Wasser in den Heizrohren ist. Bei einer Wärmepumpe darf sie maximal 35 Grad Celsius betragen, sonst verliert die Pumpe ihre Effizienz. Wenn die Heizung nicht richtig dimensioniert ist - etwa weil der Estrich zu dick ist oder die Rohre zu weit auseinander liegen - muss die Temperatur erhöht werden. Das führt zu höheren Stromkosten und verhindert die Nutzung von erneuerbaren Energien.

Braucht man BIM für die Schnittstellenplanung?

BIM ist nicht zwingend nötig, aber es ist die effektivste Methode. Ohne BIM können Sie mit detaillierten 2D-Plänen und Maßnahmen arbeiten. Aber mit BIM sehen Sie Kollisionen in 3D, bevor der erste Bohrer angesetzt wird. Das reduziert Fehler um bis zu 90 Prozent. In Bestandsanierungen, wo die Unterlagen oft unvollständig sind, ist BIM sogar unverzichtbar.

Kann man eine Flächenheizung in jedem Bestandsgebäude einbauen?

Technisch ja - aber praktisch nicht immer. Bei sehr niedrigen Deckenhöhen, schwer tragfähigen Decken oder stark beschädigten Strukturen kann die Einbindung schwierig sein. Wichtig ist nicht, ob es möglich ist - sondern ob es wirtschaftlich und sicher ist. Eine professionelle Schnittstellenplanung klärt das vorher.

Wer ist für die Schnittstellenplanung verantwortlich?

Verantwortlich ist der Gesamtplaner - meist der Architekt oder der Gebäudetechnikplaner. Aber er kann es nicht alleine machen. Er muss alle Gewerke einladen: Heizung, Sanitär, Elektro, Estrich, Boden. Jeder muss seine Pläne vorlegen und zustimmen. Es ist eine Teamarbeit. Wer das nicht einfordert, überlässt die Planung dem Zufall.