Wenn du deine Küche renovierst, denkst du zuerst an neue Schränke, Arbeitsplatten oder den Backofen. Aber was passiert, wenn der Wasserkocher ausfällt, weil er denselben Stromkreis wie der Geschirrspüler hat? Oder wenn du plötzlich einen Brand in der Küche riskierst, weil die Steckdosen zu nah an der Spüle sitzen? Die Elektroinstallation in der Küche ist kein Nebenschauplatz - sie ist der unsichtbare Rückgrat deiner Sicherheit und deines Komforts. Und sie muss nach Stromkreise planen, die nicht nur modern, sondern auch gesetzlich vorgeschrieben sind.
Warum deine Küche mehr als nur eine Steckdose braucht
In einer modernen Küche stecken heute 17 bis 28 Steckdosen. Das ist kein Luxus, das ist Notwendigkeit. Ein Toaster, ein Wasserkocher, ein Mixer, eine Mikrowelle, ein Geschirrspüler, ein Backofen, eine Kaffeemaschine - und das alles gleichzeitig zu benutzen, ist heute normal. Doch wenn du alle Geräte an einen einzigen Stromkreis hängst, überlastest du ihn. Und das ist kein theoretisches Risiko. Laut einer Studie der BG ETEM aus dem Jahr 2021, die 15.000 Haushalte untersuchte, reduzieren normgerechte Stromkreise das Risiko von Überlastungen und Kurzschlüssen um 92%. Das ist kein kleiner Unterschied - das ist der Unterschied zwischen einem funktionierenden Abend und einer evakuierten Wohnung.Früher reichte ein einziger Stromkreis für die ganze Küche. Heute ist das gefährlich und verboten. Die DIN 18015-3:2021-01 schreibt klar vor: Jeder Stromkreis für Steckdosen darf höchstens sechs Steckdosen haben. Das bedeutet: Bei 15 Steckdosen brauchst du mindestens drei separate Stromkreise. Und das sind nur die normalen Steckdosen. Geräte wie Herd, Backofen oder Geschirrspüler brauchen eigene, separate Leitungen - und zwar mit einer eigenen Sicherung.
Was du wirklich brauchst: Die richtigen Geräte und ihre Leistung
Du kannst nicht einfach sagen: „Ich hab’ einen Backofen, also brauch ich einen Stromkreis.“ Du musst wissen, wie viel Strom er zieht. Ein kleiner Backofen verbraucht 2,5 kW, ein großer Induktionsherd bis zu 12 kW. Ein Geschirrspüler kommt auf 1,8 bis 2,2 kW. Und das sind keine Werte, die du abschätzen kannst. Die müssen exakt erfasst werden.Erstelle eine Liste. Schreibe auf: Gerät - Leistung in Watt. Dann addierst du die Werte. Wenn ein Gerät mehr als 2.000 Watt verbraucht, muss es einen eigenen Stromkreis haben. Das ist nicht optional. Das ist VDE 0100-701 und DIN 18015-3. Kein Elektriker darf das ignorieren. Und wenn du später einen neuen Kühlschrank mit integriertem Wasserspender oder einen Smart-Herd kaufst, der 3 kW braucht, willst du nicht noch mal die Wand aufbrechen.
Ein typischer Fehler: Leute denken, sie brauchen nur Steckdosen für die Kleingeräte. Doch der Herd, der Backofen, der Kühlschrank - die alle brauchen eigene Leitungen. Und die werden oft vergessen, weil sie fest eingebaut sind. Aber sie ziehen den meisten Strom. Ein Kühlschrank mit Eiswürfelautomat und Display kann leicht 1,5 kW verbrauchen - das ist mehr als ein Staubsauger. Und wenn er auf demselben Kreis wie die Mikrowelle sitzt, fliegt die Sicherung.
Wo du Steckdosen hinstellst - und wo nicht
Es reicht nicht, Steckdosen irgendwo an die Wand zu machen. Es gibt klare Zonen, die du einhalten musst. Die DIN 18015-3 teilt die Küche in drei Bereiche ein:- Zone 0: Innerhalb von 20 cm um die Spüle herum. Hier darf kein elektrisches Gerät installiert werden. Keine Steckdose, kein Ladegerät, kein Kabel.
- Zone 1: Zwischen 20 und 60 cm von der Spüle. Hier darfst du nur Geräte mit Schutzklasse II (doppelte Isolierung) und IP44-Schutz (gegen Spritzwasser) verwenden. Das heißt: Steckdosen müssen wasserdicht sein. Und sie dürfen nicht direkt über der Spüle hängen.
- Zone 2: Ab 60 cm von der Spüle. Hier gilt normale Regelung. Aber auch hier: Steckdosen nicht unter der Arbeitsplatte. Das ist ein häufiger Fehler. Sie sollen in 10 bis 15 cm Höhe über der Arbeitsplatte sitzen - so, dass du sie ohne Bücken erreichen kannst und kein Wasser von oben reingelangt.
Warum ist das wichtig? Weil Wasser und Strom keine Freunde sind. Eine Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz aus dem Jahr 2022 zeigt: 18% aller Wohnungsbrände in Deutschland passieren in der Küche. Die Hälfte davon wegen unsachgemäßer Elektroinstallation. Ein Spritzer Wasser auf eine normale Steckdose - und du hast einen Kurzschluss. Mit IP44-Steckdosen in Zone 1 reduzierst du das Risiko um mehr als 80%.
Der FI-Schutzschalter - dein unsichtbarer Retter
Jede Steckdose in der Küche muss über einen Fehlerstrom-Schutzschalter (FI-Schutzschalter) mit einer Auslöseschwelle von maximal 30 Milliampere verfügen. Das ist nicht nur Empfehlung - das ist VDE 0100-410:2018-10, Paragraph 411.3.3. Ein FI-Schalter erkennt, wenn Strom ins Wasser fließt - etwa weil ein Kabel beschädigt ist oder ein Gerät in die Spüle fällt. Dann schaltet er innerhalb von 0,3 Sekunden ab. Das rettet Leben.Im Wohnzimmer reicht ein FI-Schalter für bis zu 22 Steckdosen. In der Küche nicht. Jeder Steckdosenkreis braucht seinen eigenen FI. Und er muss auf den Kreis, nicht auf die ganze Wohnung, geschaltet sein. Wenn du nur einen FI für die gesamte Küche hast, dann fliegt bei einem Fehler plötzlich auch der Kühlschrank aus - und dein Essen verdirbt. Ein separater FI für jeden Kreis sorgt dafür, dass nur der betroffene Bereich abgeschaltet wird.
Was kostet eine normgerechte Küche?
Ein normgerechter Stromkreis kostet Geld. Aber es ist Geld, das du nicht sparen solltest. Die durchschnittlichen Kosten für eine vollständige, normgerechte Elektroinstallation in einer Standardküche (12-15 m²) liegen bei 1.850 € (Stand 2023). Das klingt viel? Vergleiche es mit dem, was passiert, wenn du es falsch machst.Ein Nutzer auf Reddit berichtet: „Nach drei Jahren musste ich 1.200 € für einen zusätzlichen Stromkreis ausgeben, weil der Geschirrspüler und der Backofen denselben Kreis teilten.“ Das ist nicht nur Geld - das ist Stress, Zeit, und ein Risiko, das du bewusst eingegangen bist. Eine professionelle Planung kostet mehr - aber sie verhindert Nachbesserungen. Die Verbraucherzentrale Berlin zeigt: 82% der Nutzer mit professionell geplanter Elektroinstallation brauchten nach fünf Jahren keine Änderungen. Bei selbstgeplanten Installationen waren es nur 45%.
Die Kosten setzen sich zusammen aus: Kabelverlegung, FI-Schalter, Steckdosen, Leitungen für Großgeräte, Prüfung. In Regionen mit hohen Löhnen wie Wien oder München kannst du mit 2.200 bis 2.800 € rechnen. In ländlichen Gebieten liegt der Preis oft bei 1.200 bis 1.500 €. Aber die Qualität zählt. Nur zertifizierte Elektrofachbetriebe dürfen die Installation ausführen und die Prüfbescheinigung ausstellen - ohne die bekommst du keine Versicherung, wenn etwas passiert.
Was du jetzt tun kannst - Schritt für Schritt
Du willst deine Küche neu planen? Dann geh so vor:- Alle Geräte auflisten: Schreibe auf: Gerät - Leistung in Watt. Suche die Angabe auf dem Gerät oder in der Bedienungsanleitung. Wenn du sie nicht findest, such online nach dem Modell.
- Gruppen bilden: Alle Geräte über 2.000 Watt bekommen ihren eigenen Stromkreis. Das sind meist Herd, Backofen, Geschirrspüler, Kühlschrank mit Eiswürfel.
- Steckdosen verteilen: Mindestens 10-15 Steckdosen für Kleingeräte. Vier bis sechs davon auf der Arbeitsfläche, 10-15 cm über der Platte. Keine unter der Platte!
- Zonen beachten: Keine Steckdosen in Zone 0. In Zone 1 nur IP44-Steckdosen. In Zone 2 normale Steckdosen - aber immer mit FI-Schutz.
- Mindestens drei separate Steckdosenkreise: Jeder mit max. sechs Steckdosen und eigenem FI-Schalter.
- Professionelle Hilfe holen: Lass die Planung von einem zertifizierten Elektrofachbetrieb machen. Erstelle einen detaillierten Plan, den du vor der Montage der Küchenmöbel abschließt.
Und denk an die Zukunft. 78% der Küchenumbauten brauchen nach zehn Jahren eine Anpassung - weil neue Geräte kommen. Smart-Home-Systeme, Induktionskochfelder, Kühlschränke mit WLAN. Plane mit einem Überhang von 20-30% an Steckdosen und Leistung. Es ist billiger, jetzt mehr zu legen, als später wieder aufzubrechen.
Was du nicht tun solltest
- Nicht Steckdosen unter der Arbeitsplatte einbauen - das ist ein klassischer Fehler.
- Nicht nur einen FI-Schalter für die ganze Küche nutzen - das bringt dir keinen Schutz, nur Ärger.
- Nicht Steckdosen innerhalb von 60 cm zur Spüle ohne IP44-Schutz installieren - das ist lebensgefährlich.
- Nicht auf den Rat eines „Kumpels“ vertrauen, der „mal was gebaut hat“. Elektrizität ist kein Heimwerkerprojekt.
- Nicht die Planung auf die letzte Minute verschieben. Die Elektroinstallation muss vor der Montage der Küchenmöbel erfolgen. Nachträglich zu bohren kostet bis zu 300% mehr.
Die moderne Küche ist kein Ort, an dem man improvisiert. Sie ist ein technisches System - und wie jedes System muss sie richtig geplant werden. Sicherheit, Komfort, Langlebigkeit - das sind keine Worte. Das sind messbare Ergebnisse. Und sie beginnen mit dem ersten Kabel.
Darf ich in der Küche Steckdosen unter der Arbeitsplatte einbauen?
Nein, das ist nicht empfehlenswert und oft verboten. Steckdosen sollten 10 bis 15 cm über der Arbeitsplatte installiert werden. Unter der Platte sind sie anfällig für Feuchtigkeit, Schmutz und Beschädigung durch Spülmittel oder Wasser. Außerdem ist es schwer, Geräte einzustecken, ohne sich zu bücken. Die DIN 18015-3 und VDE-Normen fordern eine sichere, bedienfreundliche Anordnung - und das ist unter der Platte nicht gegeben.
Wie viele Steckdosen braucht eine moderne Küche?
Eine moderne Küche braucht mindestens 10 bis 15 Steckdosen. Davon sollten 4 bis 6 auf der Arbeitsfläche liegen - für Toaster, Wasserkocher, Mixer, Kaffeemaschine. Zusätzlich brauchst du Steckdosen für den Kühlschrank, den Geschirrspüler und andere Großgeräte. Viele Experten empfehlen sogar 17-20 Steckdosen, um zukünftige Geräte wie Smart-Home-Komponenten oder zusätzliche Ladestationen unterzubringen.
Was ist ein FI-Schutzschalter und warum brauche ich ihn in der Küche?
Ein FI-Schutzschalter (Fehlerstrom-Schutzschalter) unterbricht die Stromzufuhr, wenn ein gefährlicher Fehlerstrom fließt - etwa wenn ein Gerät ins Wasser fällt oder ein Kabel beschädigt ist. In der Küche, wo Wasser und Elektrizität nah beieinander sind, ist er lebenswichtig. Die VDE-Norm schreibt einen FI mit 30 mA Auslöseschwelle für jede Steckdose vor. Ohne ihn besteht die Gefahr eines elektrischen Schlags oder eines Brandes.
Muss ich den Herd und den Backofen auf separate Stromkreise legen?
Ja, das ist Pflicht. Beide Geräte verbrauchen oft mehr als 2.000 Watt - der Herd bis zu 12 kW, der Backofen bis zu 4 kW. Die DIN 18015-3 verlangt, dass Geräte über 2 kW einen eigenen Stromkreis mit separater Sicherung haben. Wenn du sie auf einen gemeinsamen Kreis schaltest, läufst du Gefahr, dass die Sicherung bei gleichzeitiger Nutzung herausfliegt - oder schlimmer: die Leitung überhitzen und einen Brand verursachen.
Was bedeutet IP44 bei Steckdosen?
IP44 ist ein Schutzgrad, der besagt, dass die Steckdose staubdicht ist und gegen Spritzwasser aus jeder Richtung geschützt ist. Das ist die Mindestanforderung für Steckdosen in der Küche, die innerhalb von 60 cm zur Spüle liegen (Zone 1). Normale Steckdosen ohne IP-Schutz sind hier verboten. IP44-Steckdosen haben eine dichte Abdeckung und sind speziell für feuchte Bereiche konzipiert - sie verhindern Kurzschlüsse durch Wasserspritzer.
Kann ich die Elektroinstallation selbst machen?
In Österreich und Deutschland darfst du elektrische Installationen in Wohngebäuden nur von zertifizierten Elektrofachbetrieben durchführen lassen. Selbst wenn du es technisch kannst, brauchst du eine offizielle Prüfbescheinigung, sonst ist die Installation nicht versicherbar. Bei einem Brand oder Schaden zahlt die Versicherung nicht, wenn die Elektroinstallation nicht von einem zugelassenen Elektriker geplant und abgenommen wurde. Es ist kein Heimwerkerprojekt - es ist eine gesetzliche Pflicht.
Patrick Mayrand
Januar 30, 2026 AT 02:23Ich hab’ neulich meinen Wasserkocher an die gleiche Steckdose wie den Herd gesteckt und nix passiert. Warum soll ich jetzt alles umreißen?