Mythen über Immobilienrenovierung: Was stimmt wirklich?

Mythen über Immobilienrenovierung: Was stimmt wirklich?
Lennart Schreiber 24 Feb 2026 0 Kommentare Bauen und Renovieren

Wenn du dein Haus sanierst, hast du wahrscheinlich schon mal davon gehört: Dämmung bringt Schimmel, Fenster müssen luftdurchlässig sein, und eine Sanierung lohnt sich nie. Diese Aussagen klingen plausibel - doch sie sind falsch. Tatsächlich sind die meisten Mythen über Immobilienrenovierung nicht nur irreführend, sie verhindern, dass Hausbesitzer die richtigen Schritte unternehmen - und das mit schwerwiegenden Folgen: höhere Energiekosten, schlechterer Wohnkomfort und niedrigere Immobilienwerte.

Dämmung verursacht Schimmel? Falsch.

Viele Hausbesitzer scheuen sich davor, ihre Wände zu dämmen, weil sie Angst haben, dass Schimmel entsteht. Das ist einer der häufigsten und gefährlichsten Mythen. Die Wahrheit ist genau das Gegenteil: Gut gedämmte Fassaden verhindern Schimmel. Wie? Durch Temperaturverteilung. Wenn eine Außenwand kalt ist, kondensiert die Luftfeuchtigkeit daran - und das ist die Hauptursache für Schimmel. Eine Dämmung hält die Wandwärme im Haus, sodass die Oberfläche warm bleibt und Feuchtigkeit nicht absetzen kann. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik aus 2020 zeigt klar: Schimmel entsteht durch Baumängel, fehlerhafte Lüftung oder fehlende Dämmung - nicht durch sie. In 67% der Fälle, die die Verbraucherzentrale Berlin 2022 untersuchte, führten falsche Mythen zu verzögerten Sanierungen - und damit zu langfristigem Schimmelrisiko.

Fenster müssen atmen? Nein, sie müssen dicht sein.

Ein weiterer Irrglaube: „Fenster dürfen nicht zu dicht sein, sonst wird die Luft schlecht.“ Das ist ein Relikt aus der Zeit vor moderner Lüftungstechnik. Heute ist es genau andersherum: Zugige Fenster verschwenden 15 bis 20 Prozent deiner Heizenergie. Die Volksbank Jade-Weser hat 2022 eine Umfrage unter 1.200 Immobilienkäufern durchgeführt - und 67% gaben an, dass sie ein Haus mit modernen, dichten Fenstern bevorzugen. Moderne Fenster mit Dreifachverglasung und Wärmeschutzverglasung halten die Wärme im Haus und reduzieren die Heizkosten spürbar. Wer denkt, er müsse Fenster offenhalten, um „frische Luft“ zu bekommen, hat nicht verstanden, wie moderne Lüftungsanlagen funktionieren. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung sorgt für frische Luft - ohne Wärmeverlust. Und das ist nicht nur komfortabler, es ist auch günstiger.

Fassadendämmung ist ein Brandrisiko? Falsch.

„Dämmung brennt leicht“ - dieser Mythos hält sich hartnäckig, besonders bei älteren Hausbesitzern. Doch das ist ein Irrtum, der von falschen Darstellungen in Medien und unqualifizierten Handwerkern genährt wird. Die Deutsche Umwelthilfe hat 2022 mit Brandschutzexperten gesprochen - und alle betonten: Die Verwendung zugelassener Dämmmaterialien und sachgerechter Einbau sind entscheidend für den Brandschutz. Moderne Dämmplatten aus Mineralwolle oder EPS mit Brandschutzklasse B1 sind nicht brennbar, sondern selbstverlöschend. Sie verlangsamen sogar die Ausbreitung von Feuer. Ein Brand, der durch Dämmung ausgelöst wurde, ist so selten wie ein Blitzschlag - und meistens liegt die Ursache nicht in der Dämmung, sondern in fehlerhafter Installation oder minderwertigen Materialien. Wer sich an zertifizierte Handwerker hält, läuft kein Risiko ein.

Dämmung hält nicht lange? Lüge.

„Nach 10 Jahren ist die Dämmung kaputt.“ Wer das glaubt, hat noch nie eine Langzeitstudie gelesen. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik hat von 2012 bis 2019 mehr als 1.200 gedämmte Fassaden untersucht - und das Ergebnis ist eindeutig: Gedämmte Fassaden sind nicht schadensanfälliger als ungedämmte. Die Lebensdauer von Dämmstoffen liegt bei 50 Jahren und mehr - vorausgesetzt, die Verkleidung (z. B. Putz oder Fassadenplatte) wird ordnungsgemäß gewartet. Der Putz kann abblättern, die Dämmung nicht. Die meisten Probleme entstehen durch schlechte Ausführung, nicht durch das Material. Wer eine Fassadendämmung mit qualifizierten Handwerkern durchführt, investiert in eine Lösung, die länger hält als die meisten Autoreifen.

Moderne Fenster mit dichter Abdichtung neben einer undichten alten Fensteröffnung, mit Lüftungsanlage im Hintergrund.

Sanieren lohnt sich nicht? Falsch.

„Ich baue lieber neu.“ Das ist ein beliebter Satz - besonders wenn die Sanierung teuer erscheint. Doch hier liegt der größte Irrtum. Die graue Energie - also die Energie, die für Herstellung, Transport und Verarbeitung von Baustoffen benötigt wird - ist bei einem Neubau oft doppelt so hoch wie bei einer Sanierung. Die Energieberatung der Verbraucherzentrale Berlin hat 2022 berechnet: Bei einer Sanierung wird bis zu 70% der grauen Energie eingespart. Und finanziell? Die Deutsche Bank veröffentlichte 2023 Daten, die zeigen: Energetisch sanierte Immobilien haben einen Wertvorteil von durchschnittlich 8,5%. Ein Haus, das vor 1979 gebaut wurde, verbraucht im Schnitt fünfmal mehr Heizenergie als ein Haus nach 2000. Wer heute sanieren lässt, spart nicht nur Geld, sondern erhöht auch den Verkaufswert. Und das gilt besonders in Zeiten steigender Energiepreise: Wer 30% weniger Heizkosten zahlt, hat mehr Geld im Portemonnaie - und das bleibt langfristig.

Was lohnt sich wirklich? Die Prioritätenliste.

Wenn du sanieren willst, aber nicht weißt, wo du anfangen sollst: Folge dieser Reihenfolge - sie basiert auf echten Daten von Energieberatern und der KfW-Bank:

  1. Oberste Geschossdecke dämmen - kostet wenig, spart 10-15% Heizenergie. Meist die billigste und effektivste Maßnahme.
  2. Heizung austauschen - besonders wenn du noch Öl- oder Gasheizung hast. Eine moderne Wärmepumpe spart 20-30% Energie. Ab 2024 müssen 65% der neuen Heizungen aus erneuerbaren Quellen kommen - das ist gesetzlich vorgeschrieben.
  3. Fassadendämmung - spart 25-35% Heizenergie. Die Investition amortisiert sich in 8-12 Jahren, je nach Energiepreis.
  4. Fenster austauschen - nur wenn sie älter als 20 Jahre sind. Moderne Fenster sind teuer, aber die Einsparung ist geringer als bei Dämmung oder Heizung.

Wer diese Schritte in dieser Reihenfolge macht, erreicht die höchste Wirkung mit geringstem Risiko. Und: 83% der Sanierungen, die professionell geplant wurden, erreichten die erwarteten Einsparungen. Nur 47% der Eigenplanungen.

Was kostet eine Sanierung?

Eine grundlegende energetische Sanierung kostet zwischen 250 und 400 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche - das ist die durchschnittliche Spanne, die die Deutsche Bank 2023 ermittelt hat. Das klingt viel, aber vergleiche es mit den jährlichen Heizkosten: Ein durchschnittliches Einfamilienhaus in Deutschland verbraucht 2.500 Liter Heizöl oder 2.000 kWh Gas pro Jahr - das sind 1.500 bis 2.000 Euro. Bei einer Sanierung sparest du 30-40% davon - das sind 500-800 Euro pro Jahr. In 5 Jahren hast du die Kosten amortisiert. Danach ist es reiner Gewinn.

Und was mit der Küche? Oder dem Badezimmer? Die Erfahrung von Immobilienscout24-Nutzern zeigt: Optische Auffrischung bringt mehr als teure Renovierungen. Ein neuer Anstrich, neue Türen, modernes Licht - das erhöht den Verkaufspreis um 3-5%. Eine neue Küche hingegen kostet 15.000 Euro und bringt oft nur 5.000 Euro Mehrwert. Die Verbraucherzentrale Berlin bestätigt: Der größte Hebel ist nicht die Ausstattung, sondern die Energieeffizienz.

Vergleich eines alten und sanierten Hauses mit Energieflüssen und steigendem Wert — zeigt die Vorteile ganzheitlicher Sanierung.

Was sagt der Markt?

Der Sanierungsbedarf in Deutschland ist riesig: 71% der Wohngebäude sind vor 1995 gebaut worden - und damit energieintensiv. Doch nur 0,8% der Gebäude werden jährlich saniert. Das ist weit unter dem notwendigen Tempo. Die Europäische Kommission will bis 2030 35 Millionen Wohngebäude in der EU sanieren - davon 7 Millionen in Deutschland. Die KfW-Bank meldet: 68% der Hausbesitzer haben Schwierigkeiten, geeignete Handwerker zu finden. Die Wartezeit für qualifizierte Betriebe beträgt 4-6 Wochen. Wer jetzt handelt, hat die Nase vorn - nicht nur in puncto Energie, sondern auch in puncto Wertsteigerung.

Was ist mit den Gesetzen?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ist kein Wärmepumpenzwang. Es ist ein Rahmen, der klare Regeln für neue Heizungen setzt: Ab 2024 müssen 65% der Energie aus erneuerbaren Quellen kommen. Das bedeutet: Du kannst weiterhin Gasheizung behalten - aber du musst sie mit Solarthermie, Wärmepumpe oder Biomasse ergänzen. Es gibt keinen Zwang, alles abzureißen. Es gibt nur einen Zwang, effizienter zu werden. Und das ist kein Verlust - das ist eine Chance. Denn wer heute sanieren lässt, ist fit für die Zukunft. Und wer nicht, zahlt in zehn Jahren doppelt - für Energie, für Reparaturen und für niedrigere Verkaufswerte.

Lohnt sich eine Sanierung wirklich, wenn ich nicht lange im Haus bleibe?

Ja. Selbst wenn du dein Haus in 5 Jahren verkaufst, erhöht eine energetische Sanierung den Verkaufswert um durchschnittlich 8,5%. Käufer zahlen heute mehr für energieeffiziente Häuser - besonders unter 40-Jährige. Eine Studie der Deutschen Bank zeigt: 71% der jungen Käufer betrachten Energieeffizienz als entscheidendes Kaufkriterium. Eine Sanierung ist also eine Investition in den Verkaufswert - nicht nur in die eigenen Heizkosten.

Kann ich eine Sanierung selbst machen, um Geld zu sparen?

Einige Arbeiten, wie das Dämmen der obersten Geschossdecke oder das Streichen der Fassade, kannst du selbst machen. Aber bei Wärmedämmung, Heizungsaustausch oder Fenstereinbau ist das Risiko groß. Die Verbraucherzentrale Berlin dokumentierte 2022: Nur 47% der Eigenplanungen erreichten die erwarteten Energieeinsparungen. Bei professionell geplanten Projekten waren es 83%. Fehlerhafte Installation führt zu Schimmel, Luftverlust und hohen Folgekosten. Es ist sinnvoller, Fachleute für die kritischen Teile zu beauftragen und selbst nur die einfachen Arbeiten zu übernehmen.

Gibt es Förderungen für Sanierungen?

Ja. Die KfW-Bank bietet Fördermittel für Energieeffizienzmaßnahmen - bis zu 30% Zuschuss für Dämmung und Heizungsaustausch. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) deckt bis zu 20.000 Euro pro Wohnung ab. Außerdem gibt es steuerliche Absetzbarkeit: 20% der Investitionskosten kannst du über drei Jahre von der Einkommensteuer absetzen. Diese Förderungen sind nicht nur verfügbar - sie sind oft leichter zu bekommen als gedacht. Wichtig: Du musst vor Beginn der Arbeiten einen Antrag stellen.

Warum steigen die Energiekosten trotz Sanierung?

Weil du vielleicht nur einen Teil saniert hast. Wenn du nur die Fenster austauschst, aber die Fassade und Heizung unverändert lässt, bleibt die Energieverlustquote hoch. Oder du hast eine Wärmepumpe installiert, aber die Dämmung ist schlecht - dann arbeitet die Pumpe ständig auf Vollast. Sanierung ist ein System. Du musst alle Teile zusammen denken. Ein einzelner Schritt bringt nur wenig. Eine ganzheitliche Sanierung dagegen senkt die Kosten dauerhaft.

Sind ökologische Dämmstoffe wie Holzfaser oder Hanf wirklich besser?

Ja - aber nicht nur für die Umwelt. Holzfaser- oder Hanfdämmung hat eine bessere Feuchte-Regulierung als Styropor und sorgt für ein angenehmeres Raumklima. Sie sind atemaktiv, nicht giftig und haben eine geringere graue Energie. Die Volksbank Jade-Weser hat 2022 beobachtet: Die Nachfrage nach ökologischen Dämmstoffen stieg um 32%. Sie sind teurer, aber sie halten länger, sind gesünder und werden immer häufiger von Käufern bevorzugt - besonders in Städten wie München oder Stuttgart.

Was kommt als Nächstes?

Die Sanierungsrate in Deutschland liegt bei 0,8% pro Jahr - aber sie muss mindestens 2% betragen, um die Klimaziele zu erreichen. Die KfW-Bank und das BMWK rechnen mit einem Anstieg der Sanierungsaktivitäten um 12-15% pro Jahr bis 2025. Warum? Weil die Energiepreise hoch bleiben, die Gesetze strenger werden und die Menschen merken: Ein sanierter Haus ist nicht nur besser für das Klima - er ist auch besser für die Geldbörse. Wer jetzt handelt, profitiert. Wer wartet, zahlt später mehr - und verliert Wert.