Wie oft haben Sie schon ein Fenster geöffnet und es hat geklemmt? Oder bemerkt, dass die Luft von außen trotz geschlossenem Fenster eindringt? Die meisten Menschen denken, dass moderne Fenster einfach funktionieren - ohne Wartung. Doch das ist ein fataler Irrtum. Laut der Fensterwartung-Studie der TÜV 2022 sind 87 % aller vorzeitigen Fensterschäden auf fehlende Pflege zurückzuführen. Dabei geht es nicht um teure Reparaturen oder neuen Einbau - sondern um drei einfache, jährliche Schritte: Schmieren, Nachstellen und Prüfen.
Warum Ihre Fenster jährlich gewartet werden müssen
Ein Fenster ist kein passives Bauteil. Es ist ein hochpräzises mechanisches System mit Dichtungen, Beschlägen, Scharnieren und Abflusskanälen. Jede Bewegung, jede Temperaturschwankung, jeder Regen, jede Sonneneinstrahlung belastet es. Ohne Wartung altern Gummis, rosten Schrauben, verstopfen Entwässerungen und verlieren Dichtungen ihre Form. Die Folge? Kältebrücken, höhere Heizkosten, Schimmelgefahr und letztlich ein Austausch, der 1.500 bis 3.000 Euro kostet - obwohl die Wartung nur 20 Euro im Jahr kostet. Laut der Verbraucherzentrale Deutschland sparen Sie pro Fenster durch regelmäßige Pflege durchschnittlich 120 Euro jährlich. Das liegt an der besseren Wärmedämmung und verhinderten Luftlecks. Und das ist nur der Anfang. Die neue DIN 18516-1:2021-05, die von allen großen Herstellern wie Schüco, Oknoplast und Internorm akzeptiert wird, legt fest: Eine jährliche Wartung verlängert die Lebensdauer von Fenstern von durchschnittlich 20 Jahren auf bis zu 50 Jahre.Schritt 1: Schmieren - Aber richtig!
Die meisten Fehler passieren hier. Wer sein Fenster mit WD-40, Haushaltsöl oder Motoröl schmiert, tut es nicht gut - er zerstört es. Diese Mittel lösen die Gummiteile auf. Laut Dipl.-Ing. Thomas Müller vom Institut für Bauphysik der TU München führt falsches Schmiermittel dazu, dass Dichtungen bis zu 300 % schneller altern. Richtiges Schmieren bedeutet: Nur Silikonspray. Ein spezielles Fenster-Silikonspray, wie es von SEB oder Oknoplast empfohlen wird. Kein Haushalts-Silikonspray aus dem Baumarkt - das enthält oft Lösungsmittel, die das Gummi angreifen. So geht’s:- Öffnen Sie das Fenster vollständig.
- Reinigen Sie die Beschläge mit einem trockenen Tuch - Schmutz muss weg, sonst wird er eingepresst.
- Sprühen Sie maximal drei Stöße pro Scharnier. Mehr ist schädlich. Die SEB-Anleitung warnt: Überdosierung erhöht die Schmutzanhaftung um 73 %.
- Bewegen Sie den Flügel mehrmals hin und her, damit das Spray gleichmäßig verteilt wird.
- Wischen Sie überschüssiges Spray mit einem sauberen Lappen ab.
Schritt 2: Nachstellen - Die versteckte Kunst
Ein Fenster, das nicht mehr richtig schließt, liegt oft nicht an einem defekten Beschlag, sondern an einer falschen Nachstellung. Das ist die Feinabstimmung zwischen Flügel und Rahmen. Wenn das Fenster zu locker sitzt, zieht es Luft. Wenn es zu fest ist, klemmt es oder die Beschläge brechen. Die meisten Hausbesitzer versuchen, das mit einem Schraubenzieher zu beheben - und machen es schlimmer. Laut Prof. Dr. Anja Schmidt von der Hochschule Rosenheim führen 58 % der selbst durchgeführten Nachstellungen zu erhöhtem Luftdurchlass - und das steigert die Heizkosten um bis zu 15 %. So finden und korrigieren Sie die richtige Position:- Öffnen Sie das Fenster und schauen Sie von außen auf den Abstand zwischen Flügel und Rahmen. Er sollte gleichmäßig sein - etwa 1-2 mm.
- Suchen Sie an den Ecken der Beschläge kleine Einstellschrauben. Sie sind meist mit einem Innensechskant (4 oder 5 mm) oder Kreuzschlitz versehen.
- Drehen Sie diese Schrauben nur in kleinen Schritten: 1/4 Umdrehung pro Mal.
- Prüfen Sie nach jeder Drehung, ob das Fenster leichter schließt und dichter ist.
- Wenn es zu schwer wird oder sich der Flügel verzieht, hören Sie auf. Dann brauchen Sie einen Profi.
Schritt 3: Prüfen - Der 2-Euro-Münz-Test
Dichtungen sind das Herzstück der Fensterdichtigkeit. Sie halten Luft, Feuchtigkeit und Lärm ab. Und sie altern. Wenn sie hart, rissig oder eingeknickt sind, funktionieren sie nicht mehr. Die einfachste, bewährte Methode: der 2-Euro-Münz-Test. So machen Sie ihn:- Öffnen Sie das Fenster.
- Halten Sie eine 2-Euro-Münze (Durchmesser 25,75 mm) senkrecht an die Dichtung.
- Drücken Sie sie sanft gegen das Gummi.
- Wenn die Münze sich nicht leicht eindrücken lässt - wenn sie sich nicht leicht in das Gummi „einpresst“ - ist die Dichtung zu hart.
- Wenn sie sich zu leicht eindrücken lässt, ist sie zu weich und hat ihre Form verloren.
Was Sie sonst noch prüfen sollten
Die drei Hauptpunkte sind das Fundament. Aber Sie sollten auch diese sechs Punkte jährlich überprüfen - sie kommen aus der SEB-Wartungsanleitung:- Check 1: Gängigkeit der Bedienung - öffnet und schließt das Fenster reibungslos?
- Check 2: Dichtigkeit zwischen Flügel und Blendrahmen - gibt es Luftzug?
- Check 3: Entwässerungseinrichtungen - sind die Löcher unten am Rahmen frei von Blättern, Staub, Spinnweben?
- Check 4: Reinigung der Dichtungen mit Wasser - nur mit klarem Wasser, nicht mit Chemie!
- Check 5: Befestigungsschrauben - sind alle fest? Keine fehlenden oder rostenden?
- Check 6: Verwitterung - sind Risse, Abplatzungen oder Farbverlust am Rahmen sichtbar?
Was Sie niemals tun sollten
Es gibt drei tödliche Fehler, die fast jeder macht:- Fehler 1: Verwendung von aggressiven Reinigern auf Dichtungen - das führt nach durchschnittlich 3,2 Monaten zu Rissbildung. Kein Glasreiniger, kein Essig, kein Allzweckreiniger!
- Fehler 2: Überdosierung von Schmiermitteln - mehr als drei Sprühstöße pro Scharnier ist zu viel. Es zieht Schmutz an und verstopft Mechaniken.
- Fehler 3: Ignorieren von Holzfenstern - Holzrahmen brauchen alle 2-3 Jahre eine neue Lasur oder Lackierung. Sonst quillt das Holz, reißt die Dichtung und das Fenster verzieht sich.
Wie viel Zeit und Geld braucht es?
Für ein einzelnes Fenster brauchen Sie etwa 45 Minuten: 20 Minuten Reinigung, 10 Minuten Beschlagpflege, 10 Minuten Prüfung, 5 Minuten Nachstellen. Bei 12 Fenstern (Durchschnitt in einem Einfamilienhaus) sind das 9 Stunden - verteilt auf ein paar Wochen, kein Problem. Die Materialien kosten zwischen 15 und 40 Euro pro Jahr:- Silikonspray: 8,99 €
- Dichtungspflege: 9,99 €
- Reinigungsmittel (für Glas und Rahmen): 5,99 €
- Tücher, Bürsten: 5 € (eine einmalige Anschaffung)
Wann brauchen Sie einen Profi?
Sie können alles selbst machen - bis auf eine Sache: undichte Mehrfachverglasung. Wenn Sie zwischen den Glasscheiben Feuchtigkeit sehen, beschlagen die Scheiben von innen oder es gibt Kondenswasser in der Zwischenschicht, ist das ein Zeichen für einen defekten Isolierverglasung. Das kann nicht repariert werden - nur ausgetauscht. Auch wenn das Fenster sich nicht mehr bewegen lässt, obwohl Sie alles richtig gemacht haben, oder wenn die Beschläge komplett verrostet sind, brauchen Sie einen Fensterbauer. Die durchschnittliche Wartezeit für Notdienste beträgt 72 Stunden - planen Sie daher rechtzeitig.Die Zukunft der Fensterwartung
Die Branche entwickelt sich. Die neue DIN-Norm wird 2024 um Klimaanpassungskriterien erweitert - extreme Hitze, Starkregen und Frost erhöhen die Wartungshäufigkeit um 25 %. Und moderne Fenster mit mehreren Mechaniken, elektrischen Antrieben oder integrierten Sensoren brauchen mehr Pflege als je zuvor. Aber es gibt Hoffnung. Apps wie „FensterWart“ von Oknoplast erinnern Sie automatisch an die nächste Wartung. 78 % der Nutzer sagen, dass sie dadurch konsequenter werden. Und ab 2024 fördert die KfW sogar Wartungsmaßnahmen mit bis zu 15 % Zuschuss - wenn Sie die Dokumentation haben.Fazit: Ein Fenster, das schließt, spart Geld
Ihre Fenster sind nicht „fertig“ - sie brauchen Pflege, wie Ihr Auto oder Ihre Heizung. Jährliches Schmieren, Nachstellen und Prüfen ist kein Luxus - es ist eine Investition. Eine Investition in Wärme, in Komfort, in Geld und in die Zukunft Ihres Hauses. Nur 15 % der Hausbesitzer machen es. Die anderen zahlen später - mit höheren Rechnungen, mit Schimmel, mit teuren Austauschmaßnahmen. Sie haben die Wahl. Machen Sie es wie die 15 %, die es richtig machen. Und nicht wie die 85 %, die es bereuen.Wie oft muss man Fenster schmieren?
Fensterbeschläge sollten mindestens einmal pro Jahr geschmiert werden. Bei Kunststofffenstern oder stark frequentierten Fenstern (z. B. Balkontür) empfehlen Hersteller wie Oknoplast zwei Mal pro Jahr. Wichtig: Nur Silikonspray verwenden - niemals WD-40, Haushaltsöl oder Motoröl. Diese Mittel beschädigen die Gummiteile und verkürzen die Lebensdauer erheblich.
Wie erkenne ich, ob eine Dichtung defekt ist?
Nutzen Sie den 2-Euro-Münz-Test: Halten Sie die Münze senkrecht an die Dichtung und drücken Sie leicht. Wenn sie sich nicht leicht eindrücken lässt, ist die Dichtung verhärtet. Wenn sie sich zu stark eindrücken lässt, ist sie abgenutzt. Beides ist ein Zeichen für Defekt. Weitere Anzeichen: Risse, sprödes Material, sichtbare Verformung oder Luftzug am Fensterrand.
Kann ich Fenster selbst nachstellen?
Ja, bei modernen Fenstern mit verstellbaren Beschlägen. Nutzen Sie einen Innensechskant-Schlüssel und drehen Sie die Einstellschrauben nur in kleinen Schritten (max. 1/4 Umdrehung pro Mal). Testen Sie nach jeder Drehung, ob das Fenster dichter und leichter schließt. Wenn es klemmt, zu locker ist oder sich verzieht, hören Sie auf - dann brauchen Sie einen Fachmann. Bei alten Holzfenstern ist Nachstellen oft nicht möglich.
Was passiert, wenn ich meine Fenster nicht warte?
Ohne Wartung verlieren Dichtungen ihre Elastizität, Beschläge rosten oder klemmen, und Entwässerungsöffnungen verstopfen. Das führt zu Luftzug, höheren Heizkosten, Schimmelbildung und letztlich zum vorzeitigen Austausch. Laut TÜV-Studie sind 87 % der Fensterschäden auf mangelnde Wartung zurückzuführen. Sie zahlen also nicht nur mehr für Heizung - Sie riskieren auch Bauschäden.
Welche Materialien brauche ich für die Fensterwartung?
Sie brauchen: Silikonspray (für Beschläge), Dichtungspflegemittel (z. B. Fenix Dichtungspflege), ein weiches Tuch, eventuell einen kleinen Pinsel oder Zahnbürstchen für die Entwässerungslöcher, und lauwarmes Wasser. Verzichten Sie auf Reiniger mit Alkohol, Essig oder Chemie - sie schädigen Dichtungen. Die Gesamtkosten liegen bei 15-40 Euro pro Jahr.
Gibt es Förderung für Fensterwartung?
Ja, ab 2024 fördert die KfW mit Programm Nr. 430 auch Wartungsmaßnahmen an Fenstern mit bis zu 15 % Zuschuss - vorausgesetzt, Sie dokumentieren die Arbeiten und sie erfolgen gemäß DIN 18516-1:2021-05. Das gilt für Eigenheimbesitzer, die ihre Fenster regelmäßig warten, nicht nur für Sanierungen.