Stell dir vor, dein Einfamilienhaus aus den 70er-Jahren verbraucht jedes Jahr so viel Energie wie ein kleines Gewerbegebäude. Heizkosten steigen, die Wände sind kalt, und du weißt nicht, wo du anfangen sollst. Der Sanierungsfahrplan ist nicht nur ein Papier - er ist deine konkrete Anleitung, wie du Schritt für Schritt ein warmes, günstiges und zukunftsfähiges Zuhause baust. Keine Ahnung, was zuerst kommt? Kein Problem. Der Plan sagt es dir.
Was ist ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP)?
Der individuelle Sanierungsfahrplan, kurz iSFP, ist kein allgemeiner Rat, sondern ein offizieller, staatlich geförderter Plan für dein Haus. Entwickelt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und ausgestellt von zertifizierten Energieberatern, zeigt er dir genau, welche Maßnahmen du wann umsetzen solltest - und warum. Es geht nicht um „mal eben die Heizung tauschen“, sondern um eine logische Abfolge: Was bringt den größten Nutzen für dein Geld? Was muss vorher erledigt werden, damit die nächste Maßnahme überhaupt sinnvoll ist?
Der Plan basiert auf einer detaillierten Analyse deines Hauses - von der Kellerdecke bis zum Dach. Die Energieberater messen Dämmwerte, prüfen Fenster, Heizung und Lüftung, und visualisieren den Zustand in sieben Farben: Dunkelgrün ist top, dunkelrot heißt dringender Handlungsbedarf. Dein Haus bekommt eine Art Energie-Notenblatt.
Und das Beste: Du bekommst 80 % der Beratungskosten zurück. Seit Anfang 2024 beträgt der Grundförderbetrag 600 Euro, also zahlst du nur noch 150 bis 300 Euro selbst. Das ist ein Risiko, das sich lohnt - denn ohne Plan läufst du Gefahr, Geld für sinnlose Maßnahmen auszugeben.
Wie funktioniert der Sanierungsfahrplan - Schritt für Schritt
Es ist kein komplizierter Prozess, aber er braucht Zeit. Hier ist, was wirklich passiert:
- Erstgespräch vor Ort: Der Energieberater kommt zu dir. Er fragt nach deinen Wünschen: Willst du mehr Komfort? Weniger Kosten? Oder einfach nur eine warme Wohnung im Winter?
- Energetische Bestandsaufnahme: Mit Messgeräten, Wärmebildkameras und Checklisten untersucht er alle Bauteile. Er prüft, ob die Dämmung in den Außenwänden noch was taugt, ob die Fenster undicht sind, ob die Heizung älter als 15 Jahre ist.
- Entwicklung der Maßnahmen: Aus den Daten wird ein Plan erstellt. Nicht einfach nur „Dämmen!“, sondern: „Erst die Außenwanddämmung, dann die Heizung, dann die Fenster - weil sonst die Wärme nach der neuen Heizung durch alte Fenster entweicht.“
- Abstimmung und Dokumentation: Du bekommst zwei Dokumente: „Mein Sanierungsfahrplan“ - das ist die strategische Roadmap - und „Umsetzungshilfe für meine Maßnahmen“ - das ist die konkrete Anleitung für Handwerker.
- Abschlussgespräch: Du bekommst alles erklärt, nochmal Schritt für Schritt. Du fragst, was du nicht verstehst. Kein Druck. Kein Verkaufsgespräch.
- Umsetzung und Nachverfolgung: Du fängst an. Der Energieberater ist während der Arbeiten weiterhin Ansprechpartner - etwa wenn unerwartete Befunde auftauchen, wie feuchte Wände oder alte Leitungen, die nicht im Plan standen.
Der ganze Prozess dauert 4 bis 6 Wochen. Aber danach hast du einen klaren Fahrplan - und keine Ahnung mehr, was du als Nächstes tun sollst.
Was steht im Sanierungsfahrplan - und was nicht?
Der iSFP listet 2 bis 5 Maßnahmenpakete auf. Jedes Paket enthält bis zu fünf konkrete Sanierungsschritte. Typisch sind:
- Außenwanddämmung mit mindestens 14 cm Dämmstoff
- Tausch der Heizung gegen eine moderne Wärmepumpe oder Brennwertkessel
- Austausch von Ein- oder Zweifachverglasung gegen Wärmeschutzfenster
- Optimierung der Warmwasserbereitung mit Solarthermie oder effizienten Speichern
- Installation einer kontrollierten Wohnraumlüftung
Es steht nicht drin: „Kauf dir eine neue Küchenmaschine.“ Oder: „Lass die Dachgauben neu streichen.“ Der Plan konzentriert sich auf Energieeffizienz - und nur auf das.
Und: Es ist keine Verpflichtung. Du musst keine Maßnahme umsetzen. Der Plan ist ein Werkzeug - kein Gesetz. Aber: Wenn du die empfohlenen Maßnahmen durchführst, bekommst du zusätzlich 5 % Förderbonus auf den Investitionszuschuss. Das ist ein echter Anreiz.
Warum ist der iSFP besser als eine einfache Energieberatung?
Ein einfacher Energieberater sagt: „Deine Heizung ist alt, tausche sie.“ Mehr nicht. Der iSFP sagt: „Tausche die Heizung erst, nachdem du die Außenwände gedämmt hast. Sonst ist die neue Heizung zu groß, teuer und ineffizient.“
Der Unterschied ist der Unterschied zwischen einem Zufall und einer Strategie. Der iSFP berücksichtigt:
- Die Lebensdauer der Bauteile: Dämmung hält 40 Jahre, Fenster 25, Heizung 15.
- Die Reihenfolge: Dämmen vor Heizungstausch - sonst verschwendest du Geld.
- Die Kosten-Nutzen-Rechnung: Welche Maßnahme spart dir am meisten pro Euro?
- Die Förderfähigkeit: Welche Maßnahme ist BAFA- oder KfW-förderfähig?
Ein Berater ohne iSFP gibt dir eine Liste. Ein iSFP gibt dir eine Uhrzeit, ein Datum und einen Plan, wie du die Uhr richtig stellst.
Wie viel sparest du wirklich?
Keine Magie. Keine Wunder. Aber echte Zahlen. Laut der Deutschen Energieagentur (dena) und Verbraucherzentrale Deutschland sparen Hausbesitzer, die den iSFP umsetzen, durchschnittlich 30 bis 40 % ihres Energieverbrauchs. Ein Einfamilienhaus aus den 80er-Jahren mit schlechter Dämmung und altem Heizkessel verbraucht oft 250 kWh pro Quadratmeter und Jahr. Nach vollständiger Sanierung: 70 kWh - das ist eine Reduktion von 72 %.
Ein konkreter Fall aus Baden-Württemberg: Ein Haus aus 1973 mit 150 m² Wohnfläche. Nach den ersten beiden Maßnahmen - Außenwanddämmung und Heizungstausch - sank der Heizenergiebedarf von 210 auf 135 kWh/m²a. Das bedeutet: 35 % weniger Gas, 40 % weniger Kosten. Jährlich. Und das nur mit zwei Schritten.
Die Einsparung hängt von deinem Ausgangszustand ab. Aber: Wer nichts tut, spart nichts. Wer den Plan nutzt, spart systematisch.
Was kostet der iSFP - und wer zahlt?
Die Beratung kostet zwischen 1.000 und 1.500 Euro. Aber: 80 % davon bekommst du vom BAFA erstattet. Seit Januar 2024 ist der Grundförderbetrag auf 600 Euro gestiegen. Das bedeutet: Du zahlst nur noch 200 bis 400 Euro selbst. Wenn du später eine Maßnahme umsetzt, bekommst du zusätzlich bis zu 30 % Förderung auf die Investition - zum Beispiel für die Wärmepumpe oder die Dämmung.
Und: Der Plan ist 15 Jahre gültig. Du kannst die Maßnahmen über Jahre verteilen. Keine Eile. Kein Druck. Du kannst heute mit der Dämmung anfangen, in drei Jahren die Fenster tauschen, in fünf Jahren die Heizung. Der Plan bleibt gültig - solange du innerhalb der 15 Jahre handelst.
Wann lohnt sich der iSFP nicht?
Nicht für alle. Wenn du dein Haus in sechs Monaten verkaufst, lohnt sich der Plan nicht. Wenn du sofort eine komplette Sanierung mit Neubau-Standard planst - dann brauchst du kein iSFP, sondern ein umfassendes Sanierungskonzept. Der iSFP ist für schrittweise Sanierungen gemacht - nicht für Vollsanierungen mit einem Riesengeldbeutel.
Und: Wenn du den Plan ignorierst, ist er wertlos. Viele Hausbesitzer holen sich den iSFP, legen ihn in die Schublade und machen dann, was der Handwerker vorschlägt. Das ist der größte Fehler. Der Plan ist da, damit du nicht vom Handwerker abhängig bist - sondern du bestimmst, was sinnvoll ist.
Was tun, wenn der Plan nicht passt?
Manche sagen: „Mein Haus ist anders.“ Stimmt. Jedes Haus ist anders. Aber der iSFP ist genau dafür da: er passt sich an. Der Energieberater berücksichtigt deine baulichen Gegebenheiten - ob du ein massives Haus hast, ein Holzhaus, ein Altbau mit denkmalgeschützten Fassaden. Er sagt dir, was möglich ist - und was nicht.
Wenn du unerwartete Probleme findest - wie Schimmel hinter der Wand oder alte Bleirohre - wird das im Plan angepasst. Der iSFP ist kein Starre, sondern ein lebendiger Plan. Du kannst ihn bei Bedarf aktualisieren - und das ist Teil des Prozesses.
Was kommt als Nächstes?
Der iSFP ist kein Ende - er ist der Anfang. Ab 2024 wird die Online-Plattform für iSFPs eingeführt. Du wirst deinen Plan digital sehen, Fortschritte tracken, Förderanträge direkt einreichen. Der Prozess wird einfacher, schneller, transparenter.
Und die Politik geht weiter: Bis 2045 soll der gesamte deutsche Gebäudebestand klimaneutral sein. Das ist kein Traum - das ist ein Plan. Und der iSFP ist das Werkzeug, mit dem du diesen Plan in deinem Haus umsetzt.
Wenn du ein Einfamilienhaus hast, das älter als 20 Jahre ist - und du nicht mehr willst, dass dein Geld für Heizung verpufft - dann hole dir den iSFP. Nicht weil du es musst. Sondern weil du es kannst. Und weil du es dir verdienst.
Kann ich den Sanierungsfahrplan selbst erstellen?
Nein. Der iSFP muss von einem zertifizierten Energieberater erstellt werden, der nach den BAFA-Richtlinien ausgebildet ist. Selbst erstellte Pläne sind nicht förderfähig. Der Berater nutzt spezielle Software, Messgeräte und Expertenwissen, das du als Laie nicht hast. Auch wenn du viel recherchiert hast - der offizielle Plan braucht die Experten-Validierung.
Wie lange dauert es, bis ich den Plan habe?
Typisch sind 4 bis 6 Wochen. Das beinhaltet das Erstgespräch, die Messungen, die Auswertung, die Erstellung des Plans und das Abschlussgespräch. Es ist kein schneller Prozess - aber er ist gründlich. Wer es schneller will, muss auf Qualität verzichten.
Ist der Sanierungsfahrplan auch für Mietwohnungen geeignet?
Nein. Der iSFP ist nur für selbst genutzte Einfamilien-, Zwei- und Mehrfamilienhäuser vorgesehen. Mieter können den Plan nicht beantragen - aber sie können ihren Vermieter darauf ansprechen. Viele Vermieter nutzen den iSFP, um die Sanierung zu planen und Fördermittel zu bekommen - und das ist gut für Mieter, weil sie später weniger Heizkosten zahlen.
Was passiert, wenn ich eine Maßnahme nicht umsetze?
Nichts. Der iSFP ist kein Vertrag. Du kannst einzelne Maßnahmen aussetzen, verschieben oder ganz streichen. Der Plan bleibt gültig. Du verlierst aber den 5 %igen Förderbonus, wenn du die empfohlenen Maßnahmen nicht umsetzt. Der Bonus gilt nur, wenn du mindestens zwei Maßnahmenpakete ausführst.
Wo finde ich einen zertifizierten Energieberater?
Über die BAFA-Liste: Auf der Website www.bafa.de gibt es einen Suchdienst für zertifizierte Energieberater. Du kannst nach Postleitzahl filtern und siehst, wer iSFP-Experten ist. Achte darauf, dass der Berater explizit für den iSFP zertifiziert ist - nicht nur für allgemeine Energieberatung. In Graz und Umgebung gibt es mehr als 50 zugelassene Berater.