Schimmelproben im Labor: Der komplette Guide zu Ablauf, Kosten und Auswertung

Schimmelproben im Labor: Der komplette Guide zu Ablauf, Kosten und Auswertung
Gerhard Schaden 6 Aug 2026 0 Kommentare Bauen und Renovieren

Sie sehen dunkle Flecken in der Ecke Ihrer Wohnung oder fühlen sich einfach nur unwohl, wenn Sie zu Hause sind? Bevor Sie panisch werden oder teuer Sanierer rufen, ist ein Schimmelpilzgutachten durch eine professionelle Laboruntersuchung von Schimmelproben oft der klügste erste Schritt. Viele Menschen greifen zu günstigen DIY-Tests aus dem Baumarkt, landen aber mit Ergebnissen, die vor Gericht oder gegenüber der Versicherung kaum etwas taugen. Ein echtes Labortestverfahren liefert Ihnen nicht nur Gewissheit, sondern auch handfeste Beweise für die Art des Pilzes und das Ausmaß der Belastung.

In diesem Artikel zeige ich Ihnen genau, wie eine solche Untersuchung abläuft, was Sie wirklich zahlen müssen und - ganz wichtig - wie Sie die Ergebnisse richtig lesen. Denn wissen Sie schon, warum es so entscheidend ist, ob es sich um harmloses *Penicillium* oder den gefährlichen *Stachybotrys* handelt?

Warum ein professionelles Labor besser ist als der Heimtest

Es klingt verlockend: Für unter 30 Euro bekommen Sie einen Testkit nach Hause geschickt, drücken auf eine Petrischale und warten ein paar Tage. Doch diese sogenannten Kulturtests haben einen großen Haken. Sie zeigen Ihnen lediglich, dass *irgendein* Pilz wächst. Ob dieser Pilz gesundheitsschädlich ist oder ob er ohnehin überall in der Luft schwebt, bleibt dabei oft im Dunkeln. Zudem können viele Pilzarten im Labor gar nicht erst wachsen, weil sie spezielle Nährstoffe brauchen, die auf der einfachen Agarplatte fehlen.

Eine professionelle Analyse, wie sie etwa das Umweltbundesamt empfiehlt, geht tiefer. Hier wird nicht nur gezüchtet, sondern mikroskopiert. Fachkräfte identifizieren die Sporen anhand ihrer Struktur. Das bedeutet: Sie erfahren exakt, welche Gattung vorliegt. Das ist entscheidend, denn die Gesundheitsgefahr variiert stark zwischen verschiedenen Arten. Ein Ergebnis aus einem akkreditierten Labor (nach DIN EN ISO/IEC 17025) hat zudem eine hohe Beweislast. Wenn Sie später Minderung des Mietzinses fordern oder die Versicherung zieht, zählt dieses Dokument mehr als jede selbst interpretierte Farbveränderung auf einer Plastikschale.

Die zwei wichtigsten Probenarten: Luft vs. Oberfläche

Nicht jede Probe eignet sich für jeden Zweck. Im Wesentlichen unterscheiden wir bei der Schimmelpilzuntersuchung zwei Hauptmethoden: die Luftprobe und die Oberflächenprobe. Welche Sie wählen, hängt davon ab, was Sie vermuten.

Vergleich: Luftprobe versus Oberflächenprobe
Merkmal Luftprobe (Passiv/Aktiv) Oberflächenprobe (Klebeprobe/Abstrich)
Zweck Gesamte Belastung der Raumluft messen Konkreten Befall an Wänden/Fugen prüfen
Methode Petrischale öffnen oder Pumpe nutzen Klebestreifen oder Tupfer auf Fläche pressen
Aussagekraft Allgemeines Risiko, Quelle oft unklar Direkter Nachweis am Schadensort
Ideal für Unklare Gerüche, keine sichtbaren Flecken Sichtbare schwarze/grüne Flecken

Wenn Sie bereits dunkle Stellen an der Wand sehen, ist eine Oberflächenprobe meist der bessere Weg. Sie beweist direkt, dass dort Pilze wachsen. Eine Luftprobe hingegen macht Sinn, wenn Sie zwar keinen Schimmel sehen, aber chronische Kopfschmerzen oder Atembeschwerden haben, sobald Sie zu Hause sind. Dann wollen Sie wissen, ob die allgemeine Sporenkonzentration im Raum kritisch hoch ist.

Der genaue Ablauf: Von der Bestellung bis zum Ergebnis

Viele haben Angst, die Probe falsch zu nehmen und damit wertlose Daten zu liefern. Dabei ist der Prozess standardisiert und gut erklärt. So läuft eine typische Untersuchung ab:

  1. Bestellung des Kits: Sie bestellen bei einem Dienstleister wie Checknatura oder Labor HL. Innerhalb weniger Tage erhalten Sie den Versandkarton mit allem Nötigen: Probiermaterial, bebilderte Anleitungen und Rücksendeverpackung.
  2. Probenahme:
    • Für Klebeband-Proben: Ziehen Sie ca. 4-5 cm transparentes Klebeband ab, pressen Sie es fest auf die verdächtige Stelle und kleben Sie es sofort auf die mitgelieferte Kunststofffolie (niemals auf Papier!).
    • Für Abstriche: Benetzen Sie den sterilen Tupfer leicht (wenn gefordert) und reiben Sie systematisch über die Fläche.
    • Für Luft: Öffnen Sie die Petrischale an der markierten Stelle für die exakte Zeit (oft 5 Minuten) und schließen Sie sie wieder.
  3. Dokumentation: Tragen Sie Datum, Uhrzeit und genauen Ort (z.B. „Bad, linke Wand über Dusche“) in das Begleitschema ein. Diese Details sind später für die Einordnung der Werte unerlässlich.
  4. Rücksendung: Legen Sie alles in den Kuvert und werfen Sie es ein. Die Portokosten sind meist inklusive.
  5. Analyse: Im Labor erfolgt die mikroskopische Untersuchung. Je nach Anbieter dauert dies zwischen 7 und 21 Tagen.

Achten Sie darauf, dass Sie während der Probenahme keine Fenster öffnen und keine Staubsauger laufen lassen, da dies die Luftzusammensetzung verfälscht.

Mikroskopische Analyse von Schimmelsporen im Labor

Kosten im Detail: Was kostet eine Schimmelprobe?

Die Preise variieren je nach Umfang und Dringlichkeit. Hier sollten Sie realistische Erwartungen haben:

  • Einzelne Oberflächenprobe: Ca. 60 € bis 90 €. Dies ist die günstigste Variante, ideal zur gezielten Prüfung eines Flecks.
  • Luftprobe (passiv): Ca. 80 € bis 120 € pro Probe. Da man zur Sicherheit oft mehrere Punkte im Raum misst, summieren sich die Kosten schnell.
  • Kombi-Pakete: Oft gibt es Angebote für 150 € bis 250 €, die eine Mischung aus Luft- und Oberflächenproben sowie eine telefonische Beratung enthalten.
  • Express-Service: Wenn Sie es eilig haben, können Sie für einen Aufschlag (oft +50 % bis +100 %) innerhalb von 3-5 Tagen Ergebnisse erhalten.

Im Vergleich dazu: Ein vollwertiges Schimmelpilzgutachten durch einen Sachverständigen vor Ort kostet schnell 300 € bis 600 € und mehr. Der Labortest ist also eine kosteneffiziente Möglichkeit, erste Hinweise zu bekommen, bevor teure Experten ins Haus geholt werden müssen.

Ergebnisse verstehen: Was bedeuten die Zahlen?

Das Ergebnis kommt als PDF-Bericht. Nichtsdestotrotz kann die Terminologie verwirrend sein. Hier ist, worauf Sie achten müssen:

1. Die Keimzahl (Sporen/ml oder KBE/cm²): Dies ist die reine Anzahl der gefundenen Sporen. Aber Achtung: Es gibt keine gesetzliche Grenzwert-Tabelle für alle Pilzarten. Stattdessen orientiert man sich an Richtwerten. Liegt die Belastung deutlich über dem Außenluftwert oder den internen Referenzwerten des Labors, spricht man von einer erhöhten Belastung.

2. Die Pilzgattung (Genus): Das ist der wichtigste Teil. Das Labor listet die gefundenen Arten auf.

  • Aspergillus / Penicillium: Sehr häufig. Kommt fast überall vor. In geringen Mengen harmlos, bei hoher Konzentration allergenes Potenzial.
  • Cladosporium: Häufig auf feuchten Oberflächen, ebenfalls ein bekanntes Allergen.
  • Stachybotrys chartarum: Die sogenannte „Giftschimmel“. Tritt nur bei langanhaltender Feuchtigkeit auf. Gelten als besonders gesundheitsgefährdend und erfordert zwingend Sanierung.

3. Die Bewertung: Gute Labore wie Institut Ziemer geben nicht nur Rohdaten, sondern eine Einschätzung. Suchen Sie nach Formulierungen wie „erhöhte Innenraumbelastung“ oder „gesundheitliches Risiko wahrscheinlich“. Diese Formulierung ist Ihr Hebel bei Mietstreitigkeiten.

Laborbericht als Beweis für Mietrechtsstreitigkeiten

Häufige Fehler bei der Selbstprobenahme

Selbst die beste Anleitung nützt nichts, wenn kleine Fehler passiert sind. Hier sind die Fallstricke, die ich in der Praxis am häufigsten sehe:

  • Falsches Unterlegmaterial: Bei Klebeband-Proben darf das Band niemals auf Papier geklebt werden. Fasern aus dem Papier stören die mikroskopische Analyse massiv. Immer die mitgelieferte Plastikfolie nutzen!
  • Zu große Flächen: Reiben Sie beim Abstrich nicht über einen ganzen Quadratmeter. Ein definiertes Feld (z.B. 10x10 cm) reicht völlig aus. Zu viel Material verwässert das Ergebnis.
  • Verschmutzung: Berühren Sie die innere Seite des Klebebands oder die Spitze des Tupfers nicht mit Ihren Fingern. Hautzellen und Bakterien von Ihrer Hand verfälschen das Bild.
  • Fehlende Referenz: Nehmen Sie immer auch eine Probe von einer sauberen, trockenen Stelle im selben Haus als Vergleichswert („Referenzprobe"). Ohne diesen Vergleich ist schwer einzuschätzen, ob der gefundene Wert normal oder pathologisch ist.

Was tun nach dem positiven Befund?

Wenn das Labor bestätigt, dass ein gesundheitlich relevanter Schimmelbefall vorliegt, stehen Sie vor Entscheidungen. Nutzen Sie den Bericht als Grundlage für Gespräche mit dem Vermieter oder der Hausratversicherung. Oft reicht der Nachweis der Art *Stachybotrys*, um die Dringlichkeit einer Sanierung zu untermauern.

Denken Sie daran: Der Test löst das Problem nicht, er diagnostiziert es nur. Die eigentliche Beseitigung sollte immer fachgerecht erfolgen, insbesondere wenn giftige Schimmelpilze im Spiel sind, um eine weitere Verfrachtung der Sporen in andere Räume zu vermeiden.

Wie lange dauert es, bis ich die Ergebnisse meiner Schimmelprobe bekomme?

In der Regel benötigen Labore zwischen 7 und 21 Werktagen für die Analyse. Einige Anbieter bieten Express-Services an, bei denen Sie die Ergebnisse bereits nach 3 bis 5 Tagen erhalten, jedoch fallen dafür meist höhere Gebühren an. Die Dauer hängt stark von der aktuellen Auslastung des Labors und der gewählten Untersuchungsmethode (mikroskopisch vs. kulturell) ab.

Ist eine Schimmelprobe aus dem Baumarkt genauso gut wie ein Labortest?

Nein, kaum. Baumarkt-Tests sind oft einfache Kulturtests, die nur zeigen, dass Pilze wachsen, aber nicht sagen, welche Art es ist. Sie sind nicht gerichtsverwertbar und können falsche Sicherheit geben. Ein professioneller Labortest identifiziert die spezifische Gattung und bewertet das Gesundheitsrisiko basierend auf wissenschaftlichen Standards.

Wer bezahlt die Kosten für die Schimmeluntersuchung?

Initial tragen Sie als Mieter oder Eigentümer die Kosten. Wenn der Befund bestätigt wird und der Schaden auf Bau- oder Substanzmängel zurückzuführen ist, können Sie die Kosten oft vom Vermieter erstatten lassen. Achten Sie darauf, vorher schriftlich anzukündigen, dass Sie die Kosten erstattet haben möchten, falls ein Mangel vorliegt.

Welche Normen gelten für Schimmelpilzlabore?

Seriöse Labore sind nach DIN EN ISO/IEC 17025 akkreditiert. Diese Norm garantiert, dass das Labor über die notwendige technische Kompetenz verfügt und seine Prozesse streng kontrolliert werden. Prüfen Sie vor der Bestellung immer nach dem Akkreditierungsstatus des Anbieters.

Kann ich die Probe selbst nehmen oder muss ein Profi kommen?

Für Standard-Oberflächen- und Luftproben können Sie die Entnahme selbst durchführen, sofern Sie die bebilderten Anleitungen des Labors genau befolgen. Dies spart erhebliche Kosten. Ein Profi vor Ort ist nur dann nötig, wenn komplexe bauliche Ursachenforschung betrieben werden muss oder schwer zugängliche Bereiche (wie hinter Tapeten) untersucht werden sollen.